Kurzandacht zum Palmsonntag - 27. und 28. März 2021

Verse aus Hebräer 11 und 12

Durchhalten, durchhalten – am Ende wird es hell!

 

Wann haben Sie zum letzten Mal einen Dauerlauf probiert? Einen Waldlauf vielleicht? Es ist gesund und es ist eine der wenigen Aktivi-täten, die man machen kann derzeit. Nur nicht zu dicht und nicht in Gruppen, und nun auch nicht abends nach 21 Uhr …

Falls diese anstrengende Übung nicht jedem liegt – das Leben ist eigentlich auch ein langer Lauf. Ein mühsamer, ein erschöpfender womöglich. Manchmal geht einem da die Puste aus, immer wieder begegnen uns Stolperstellen und durchaus nicht immer überschauen wir die Strecke.

Auch im Hebräerbrief lesen wir davon, dass es im Leben Ausdauer braucht:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. …

Durch Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte – und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen im Land der Verheißung … und wohnte in Zelten … Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat. … Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, die Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters, denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte …

Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns alles ablegen, was uns beschwert …. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der – obwohl er hätte Freude haben können – das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich … erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Sogar Leute, die fest an Gott glauben und sehr zuversichtlich mit ihm losziehen, brauchen lange, bis sie ihr Ziel erreichen. Ihr Lebensziel, ihr Glück. Abraham und Sara, das berühmte Urahnen-Paar des Glaubens, sie brauchten fast ihr ganzes Leben dafür, und es war ein langes Leben. Erst ganz spät konnten sie den ersehnten Sohn bekommen – den von Gott versprochenen Sohn, muss man sagen. Erst im Greisenalter wissen sie dann wirklich, dass ihre eigene Geschichte weitergeht. Und dass die Geschichte eines ganzen Volkes nun tatsächlich beginnt.

Geduld, sie ist keine so einfache Übung. Vertrauen auch nicht. Vertrauen, es soll ja auch kein blindes sein, kein willkürliches, kein einfach nur dummes oder trotziges. Immer wieder gibt es Situationen, die strapazieren diese beiden so wichtigen Fähigkeiten des Menschen sehr.

Jesu Weg war auch kein heiterer. Er hatte mehr auszuhalten als viele, die auf den Wirrnissen ihres Lebensweges ins Stöhnen kommen. Seine Wüstenstrecken und Qual-Strecken währten nicht Jahrzehnte, aber dafür waren sie umso schlimmer. Das ist das alljährliche Passionsthema. Aber auch Nichtchristen, auch Christentumsgegner wissen sehr genau, was Schmerzen sind. Oder was Unrecht ist. Beides scheint ein Merkmal dieser Welt zu sein? Jesu Weg ging durch ein absolut finsteres Tal. Aber danach ging er nach oben.

Unsere Belastungen in der Gegenwart, die alle nervt, sind im Vergleich zu seinen ziemlich harmlos. Den Lockdown sind wir schon lange müde, gewiss - aber was soll man tun? Krank werden will man ja auch nicht. Das Impfen wie das Testen geht langsamer als gewünscht, Rückschritte und Verwirrung sind anscheinend Teil im Prozess, und die Hoffnung auf endlich richtig Erleichterung, die muss man verschieben. Und wieder verschieben. Auf zwei Schritte vor folgen ein oder zwei Schritte zurück, der Unmut wächst an vielen Stellen und mit ihm der Ärger oder die Furcht. Viele drückt es, dass zu Ostern geplante Unternehmungen nun platzen, und Sonnenschein und Freizeit trösten da auch dieses Jahr wohl nur ein bisschen. Wie soll man sie denn nutzen, Sonnenschein und Freizeit? Doch sind das Luxussorgen, nach wie vor - im Vergleich zu denen, die z.B. Gastwirte, Reiseunternehmer, Geschäftsinhaber, Künstlerinnen und Künstler, Eltern, Kinder und vor allem die Kranken und die Krankenhausmitarbeiter haben.

Geduld ist eine schwere Übung. Alle unsere Fragen werden nicht leichter, wenn viele sie stellen und immer wieder. Nichts-Tun-Dürfen kann zermürbender sein als Stress, jedenfalls für die, die ihre Arbeit lieben. Oder die sie brauchen.

Aber: Ostern ist geschehen. Ostern ist Realität. Christus blieb nicht in der dunklen Grube, in die der Tod irgendwann alles Lebendige führt, und der Spott der Mitmenschen behielt auch nicht das letzte Wort. Im Gegenteil.

Denn Gott ist Realität. Gott ist da und hat die Macht noch nicht abgegeben. Die Welt, die uns auch vor Corona schon zugesetzt hat, ist kein bloßes Sammelsurium von Zufällen, auch wenn wir den Plan dahinter meistens nicht erkennen. Sie ist auch nicht nur finster, obwohl allerhand finstere Mächte in ihr toben. Krankheit ist wahrscheinlich nicht die schlimmste, Krieg oder Terror gab es auch schon. Lüge gab es auch schon, und es gibt sie bis heute in der Familie, im Geschäftsleben, im Staat. Gewagte Experimente gibt es auch, mangelnde Vorsicht, übertriebene Vorsicht ... vieles, womit einer dem anderen das Leben schwer macht.

Aber Ostern ist geschehen. Auch lange Wege oder ganz schwere Wege können an ihr Ziel kommen, und dann ist es, wie wenn kalte schwarze Erde sich in warme Frühlingsluft verwandelt, Dornen in Blumen oder Felsen in blauen Himmel.

Ausdauernde Läuferinnen und Läufer kennen die Erfahrung: Am Ende ist man glücklich. Kämpfer in anderen Gebieten auch: eine Mutter, die ihr Kind auf die Welt gebracht hat, nach großer Mühe. Ein Schüler, der eine Prüfung schafft. Menschen, die ihre Überzeugung bewahren.

Dieses Jahr werden wir Ostern wieder in und vor den Kirchen feiern, vor dem Bildschirm, in Wohnzimmern, im Esszimmer, am Küchentisch, im Garten und im Park. Das „Wie“ spielt keine Rolle. Der Speiseplan auch nicht. Wichtig ist: Ostern ist – weil Jesus lebt.